Brainstorming: Kreativmethode zur Ideenfindung

Zuletzt aktualisiert: 08.09.2022

Was ist Brainstorming? Brainstorming zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Kreativitätstechniken überhaupt. Das Ziel von Brainstorming ist, innerhalb von kurzer Zeit eine große Menge an Ideen zu generieren. Es eignet sich damit besonders als Startpunkt der kreativen Problemlösung. Alex F. Osborn gilt als Erfinder des klassischen Brainstormings. Charles Hutchison Clark hat diese Kreativitätstechnik weiterentwickelt.

Was bedeutet Brainstorming?

Die Bezeichnung „Brainstorming“ wählte Osborn, um auszudrücken, dass mit dieser Methode das Gehirn verwendet wird, um ein Problem zu „stürmen“ („using the brain to storm a problem„).

Eine Gruppe führt ein Brainstorming zur Ideenfindung durch.

Wie lautet die Definition von Brainstorming?

Brainstorming kann definiert werden als eine Kreativitätstechnik, bei der mehrere Personen nach bestimmten Regeln in einer Gruppe Ideen sammeln.

Brainstorming ist zwar bekannt, trotzdem wird es häufig ungünstig umgesetzt. Zwei Faktoren sind wichtig für erfolgreiches Brainstorming:

  1. Vorgehen in drei strikt getrennten Phasen: Einleitung, Ideenfindung und Bewertung
  2. Einhaltung der vier Grundregeln für die Ideenfindungsphase

Anwendungsgebiete

Brainstorming eignet sich besonders in folgenden Situationen:

  • Schnelles Erzeugen und Sammeln von Ideen (einzeln oder in der Gruppe) ist erforderlich
  • Viele grundverschiedene Lösungen und Ideen sind erwünscht
  • Informationen und Ideen sollen innerhalb der Gruppe schnell ausgetauscht und gesammelt werden

Brainstorming eignet sich in den folgenden Situationen eher nicht:

  • Das Problem ist komplex und sehr erklärungsbedürftig
  • Das Problem ist hochspezifisch, aber die Teilnehmenden haben kein entsprechendes Spezialwissen
  • Die Gruppendynamik verhindert den kreativ-konstruktiven Ablauf (siehe unten)

Voraussetzungen

Für eine Brainstorming-Sitzung benötigen Sie:

  • Moderator und/oder Protokollant
    Der Moderator ist für die Einhaltung der Spielregeln verantwortlich. Der Protokollant hält die erzeugten Ideen in geeigneter Weise fest (z.B. MindMap)
  • Gruppe von ca. 4-10 Teilnehmenden
    Die Teilnehmenden erzeugen die Ideen. Die beteiligte Gruppe sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein. Eine zu kleine Gruppe erzeugt weniger Ideen. Eine zu große Gruppe kann aufgrund der Gruppendynamik das Brainstorming stören. In großen Gruppen kommt es schneller zu Nebendialogen unter den Teilnehmern. Dadurch entstehen Unruhe und Ablenkung.
  • Tafel, Beamer, Flipchart oder ähnliches
    Die gesammelten Einfälle sollten für alle sichtbar festgehalten werden. So inspirieren die Teilnehmer sich gegenseitig.

Brainstorming: Ablauf und Vorgehen

Wie klappt es mit dem „brainstormen“? Der Moderator hat bei einem Brainstorming eine wichtige und kritische Funktion. Er darf sich selbst nicht einmischen, muss aber gleichermaßen für eine offene Atmosphäre und Einhaltung der Regeln sorgen. Eine Brainstorming-Sitzung könnte folgendermaßen aussehen:

  1. Der Moderator beschreibt die Ausgangsfrage oder das Ausgangsproblem. Beispiel: „Heute suchen wir nach Möglichkeiten, wie wir unsere Kundenzufriedenheit verbessern können.“
  2. Anschließend erklärt der Moderator die Brainstorming-Regeln und das Vorgehen in zwei Phasen: zuerst werden Ideen gesammelt ohne zu bewerten. Erst anschließend erfolgt die Ideen-Bewertung. Die Teilnehmenden sollten sich nun für 5 Minuten jeweils eigene Gedanken machen und über Vorschläge nachdenken. Dies verhindert, dass in der eigentlichen Ideenfindungsphase die ersten Vorschläge dominieren und die Teilnehmer zu stark beeinflussen und eingrenzen.
  3. Ideenfindungsphase (ca. 20 Minuten): Die Teilnehmenden dürfen nun spontan Vorschläge und Ideen äußern. Der Protokollant notiert die Meldungen so, dass sie für alle sichtbar sind. Hier geht es in erster Linie darum, viele Ideen zu sammeln.
    Beispiel: „Gutscheine“, „Fragebögen“, „Geschenke“, „Qualitätssicherung“, …
  4. Der Moderator sorgt für die Einhaltung der Regeln und hält sich selbst zurück.
  5. Nach einer festgelegten Zeit erfolgt ein klarer Schnitt durch eine Ansage und Pause. Nun werden keine Ideen mehr erzeugt. Es geht jetzt um die Beurteilung der gesammelten Vorschläge.
  6. Bewertungsphase (ca. 30 Minuten): Die Teilnehmenden beginnen erst jetzt mit der Bewertung ihrer Vorschläge. Erst jetzt geht es darum, die Qualität der Vorschläge zu beurteilen. Wichtig ist dabei, dass die Teilnehmenden sachlich bleiben und über den Vorschlag diskutieren – nicht über den Vorschlagenden. Eine Möglichkeit, Vorschläge zu bewerten ist Punktevergabe. Dabei darf jeder Teilnehmenden eine feste Anzahl von Punkten frei auf alle gesammelten Vorschläge verteilen.
    Beispiel: „Fragebögen sind günstig und kurzfristig umsetzbar!“
  7. Ergebnis: Viele Ideen und Beurteilung dieser Ideen. Im besten Fall liegt nun schon eine Lösung für die Ausgangsfrage vor. Vielleicht müssen einige Vorschläge aber noch ausgearbeitet werden.

Die vier Grundregeln zur Ideenfindung im Brainstorming

Die folgenden vier Grundregeln gelten für die erste bzw. Ideenfindungs-Phase. Das Ziel dieser Regeln ist es, eine offene, vertrauensvolle und konstruktive Atmosphäre zu schaffen.

Die Brainstorming-Regeln lauten im Einzelnen:

  1. Keine Kritik! In der Ideenfindungsphase werden Vorschläge nicht bewertet. Im Vordergrund steht das Sammeln von Ideen. In der Ideenfindungsphase geht es darum, Ideen ohne Blockaden und gedankliche Grenzen zu produzieren. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ungewöhnliche Ideen entstehen.
  2. „Verrückte“ Ideen sind erwünscht! Ideen zu entwickeln ist schwieriger, als sie zu verwerfen. Unkonventionelle Ideen können darüberhinaus als Inspiration dienen.
  3. Quantität vor Qualität! Die Teilnehmenden sollen sich vollends der Ideenproduktion widmen. Die Bewertung der Vorschläge zu diesem Zeitpunkt verschwendet kognitive Ressourcen. Viel bringt viel: Je mehr Versuche zur Ideenfindung unternommen werden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit dass eine großartige Idee darunter ist.
  4. Lassen Sie sich inspirieren! Fremde und ungewöhnliche Vorschläge erzeugen in Ihnen Assoziationen und weitere Einfälle. Kombinieren, erweitern und verändern Sie Vorschläge zu neuen Ansätzen.

Brainstorming moderieren – Tipps

Ein effektives Brainstorming durchzuführen ist eine Herausforderung, die eine(n) gute(n) Moderatoren/Moderatorin erfordert. Teilnehmende tendieren schnell dazu, reine Ideengenerierung und -bewertung zu vermischen. Studien zu Brainstormings zeigen jedoch wieder und wieder, dass dadurch weniger und weniger originelle Ideen entstehen. Es ist also ratsam, den Brainstorming-Prozess durch gezielte Moderation zu verbessern.

Zu den wichtigsten Tipps für die Moderation eines Brainstormings zählen:

  • Klärung der Ausgangsfrage: Ist die Fragestellung einerseits klar genug und andererseits offen genug?
  • Klärung des Methodenwissens: Ist den Teilnehmenden die Trennung zwischen Ideenfindungsphase und Ideenbewertungsphase bewusst?
  • Klärung der Agenda: Ist allen Teilnehmenden klar, wie das Brainstorming strukturiert ist?
  • Klärung der Ergebnissicherung: Wie werden die Ergebnisse des Brainstormings dokumentiert?
  • Wiederholte Motivierung: Loben Sie einzelne Beiträge der Teilnehmenden und regen Sie sie wiederholt zu Offenheit, „wilden“ Gedanken und mehr Beiträgen an
  • Wenn die Ideengenerierung ins Stocken gerät: Führen Sie vorrübergehende Einschränkungen ein. Fragen Sie z.B. „Wie könnte eine Lösung aussehen, die besonders günstig ist?“, „Wie könnte eine Lösung aussehen, die sofort morgen umgesetzt werden kann?“

Zusammenfassung

Brainstorming ist eine Methode zur Ideenfindung mit der in kurzer Zeit viele Ideen erzeugt werden können. Eine Brainstorming-Sitzung besteht aus drei klar abgetrennten Phasen. Die erste Phase dient der Einleitung: Die Teilnehmenden sollen sich mit der Fragestellung und dem Brainstorming-Vorgehen vertraut machen. In der zweiten Phase geht es darum, möglichst viele Ideen unabhängig von deren Qualität zu erzeugen. Hier ist die Einhaltung der vier Grundregeln sehr wichtig. Nach einem klaren Schnitt folgt die dritte Phase. Erst hier erfolgt eine sachliche Diskussion und Beurteilung der gesammelten Vorschläge.

Eine effektive Alternative zum Brainstorming, die dabei hilft, die klare Trennung zwischen Ideengenerierung und -bewertung vorzunehmen ist die 6-3-5-Methode.

1 Gedanke zu „Brainstorming: Kreativmethode zur Ideenfindung“

  1. Eine sehr gut aufgebaute Erklärung:
    So etwas wird in einem 10 minütigen Referat (30 Minuten Vorbereitungszeit) – Thema vor der Prüfung noch nicht bekannt. bei dem Situationsbezogenen Fachgespräch mit Präsentation verlangt.
    Aufgabenstellung dazu
    In einer Besprchung mit Ihren Mitarbeitern wollen Sie mithilfe eines Brainstormings Ideen zu einem betriebsrelevanten Thema entwicklen, beispielweise „Unfallverhütung“, „Qualitätsmanagement“
    Jeder hat die Mittel um sich entsprechend vorzubereiten

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