Was ist Kreativität?

Kreativität ist ein populärer Begriff in vielen verschiedenen Lebensbereichen wie Kunst, Wirtschaft oder Politik. Laut alltäglichem Sprachgebrauch können sowohl Erzeugnisse wie Bilder oder Filme an sich kreativ sein, als auch Personen, Unternehmen oder Verhaltensweisen. Die Bedeutung des Begriffs Kreativität ist bei näherer Betrachtung nicht so klar, wie intuitiv vermutet. Wann ist ein Gedanke oder eine Handlung „kreativ“? Welche Kriterien sind erfüllt, wenn wir einem Kunstobjekt oder einem Künstler Kreativität zusprechen? Was macht Kreativität aus?

Kreativität in der Kunst: gesellschaftlicher Konsens

Kreativität wird von verschiedenen Personengruppen unterschiedlich aufgefasst. In Bezug auf Kunst handelt es sich um einen gesellschaftlich-historischen Konsens darüber, was kreativ ist. Gerade die zeitgenössische Kunst, die zum Zeitpunkt der Entstehung häufig provoziert und auf Unverständnis trifft, ist ein Beispiel dafür. Sie wird häufig als unkreativ bezeichnet getreu dem Spruch: “Das kann doch jedes Kind!”. Der gesellschaftliche Konsens in der Zukunft kann jedoch ganz anders lauten und das Kunstwerk durchaus als kreativ aufgefasst werden. Der italienische Licht- und Konzeptkünstler Maurizio Nannucci bringt dies mit einer seiner Neon-Arbeit folgendermaßen auf den Punkt: All art has been contemporary. Kreativ ist, was das gegenwärtige gesellschaftliche Urteil für kreativ befindet.

Kreativität in Alltag, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

Wenn in der Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik die Rede von Kreativität ist, ist in der Regel ein konkreter Begriff von Kreativität gemeint. In diesen Bereichen steht Problemlösung im Vodergrund. Mit Kreativität können Lösungen für komplexe Probleme gefunden werden, wenn klassische Lösungenmethoden versagen.

Für die meisten Aufgaben im Alltag gibt es bewährte Lösungsverfahren. Wir wissen zum Beispiel, dass wir Nahrungsmittel beschaffen, indem wir einkaufen. Oder dass wir durch regelmäßiges Zähneputzen die Gesundheit unserer Zähne erhalten können. In diesen Fällen ist es gut, dass wir nicht jeden Tag von Neuem überlegen müssen, wie wir diese Aufgaben bewältigen.

In Problemsituationen, die für uns neu und unbekannt sind, oder wenn wir bestehende Lösungen verbessern wollen, steht uns in der Regel noch keine Strategie zur Problembewältigung zur Verfügung. In diesen Situationen versuchen wir durch unkonventionelle – also kreative – Ideen, neue oder verbesserte Lösungen zu finden.

In Alltag, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik geht es in der Regel um Problemlösung, wenn wir von Kreativität sprechen. Durch neue, unkonventionelle Wege soll ein ganz bestimmtes Problem beseitigt werden. Beispiele dafür sind:

  • Wie kann eine gesetzliche Regelung zum Schwangerschaftsabbruch die Freiheit der werdenden Mutter und die Unversehrtheit eines Ungeborenen vereinen?
  • Wie können wir die Kundenzufriedenheit unserer Service-Abteilung steigern?
  • Wie schaffen wir es, Gerechtigkeit und Freiheit unserer Bürger zu vereinen?

Das sind (zugegeben etwas abstrakte) Fragen, für die es keine bewährte Antwort gibt. Mit Hilfe von Kreativität gilt es, neue Ideen zur Lösung dieser Fragen zu gewinnen und umzusetzen.

4 Perspektiven auf Kreativität

(Rhodes, 1961) schlägt vier verschiedene Perspektiven (“Die 4 Ps der Kreativität”) auf Kreativität vor:

  1. Person
    Diese Sicht blickt auf die beteiligten Personen in kreativen Situationen. Wer ist kreativ?
  2. Process
    Diese Perspektive schaut zunächst auf die Art und Weise wie kreative Erzeugnisse entstehen. Wie kommt es zu Kreativität?
  3. Product
    Dieser Blickwinkel blickt auf die Ergebnisse von Kreativität. Wann ist ein Produkt kreativ?
  4. Press
    Diese Sicht untersucht die Umgebung/das Umfeld, indem Kreativität entsteht. Welche Umweltfaktoren beeinflussen Kreativität?

Quellen

Rhodes, M. (1961): An analysis of creativity. In: Phi Delta Kappa 42 (1961), p. 305-310.

 

1 Comment

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  1. Danke sehr. Haben Sie kein Twitter?

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