Design Sprint Tag 5 (Freitag)

Nutzerfeedback sammeln, reflektieren und lernen

Am fünften und letzten Design-Sprint-Tag geht es darum, die vielversprechenden Ideen und Lösungen, die Sie während des Design-Sprints entwickelt und in realistische Prototypen übersetzt haben, von Nutzern bzw. Kunden testen zu lassen. Ziel des Tages ist es, deren Reaktionen zu beobachten und daraus zu lernen. Am Ende des Tages haben Sie ein klares Bild davon, wie vielversprechend Ihre Lösungsansätze sind und welche nächsten Schritte zu tun sind.

Für diesen Tag sollten Sie etwa fünf Testnutzer aus der relevanten Zielgruppe einladen.

Interviews

Um etwas Ordnung in Ihre heutige Lernerfahrung zu bringen und die spätere Interpretation und Reflexion zu erleichtern, empfiehlt sich, strukturierte Interviews mit den Testnutzern durchzuführen. Das folgende Interviewformat mit 7 Schritten hat sich in der Praxis bewährt:

1. Freundliche Begrüßung

Dies umfasst eine persönliche Vorstellung und ein Dankeschön an den Testkunden. Außerdem sollte eine lockere, informelle Atmosphäre gefördert werden. Ein Hinweis, dass nicht der Testnutzer getestet wird, sondern der Prototyp, kann hierbei helfen. An dieser Stelle bietet es sich auch an, den groben weiteren Verlauf vorzustellen und dem Testnutzer die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen.

2. Allgemeine, offenen Kontextfragen zum Nutzer bzw. Kunden

Nun geht es zunächst darum, mehr über den individuellen Kontext des Nutzers zu erfahren. Dabei sollten offene Fragen gestellt werden, um möglichst reichhaltige Antworten und Geschichten zu gewinnen. Im weiteren Verlauf sollte die Konversation in die Richtung des Themas gelenkt werden, das dem Design-Sprint zugrundeliegt.

3. Vorstellung des Prototyps/der Prototypen

Jetzt wird der Testnutzer gefragt, ob es in Ordnung ist, dass ihm ein oder mehrer Prototypen gezeigt werden. Dies ist wichtig, da damit zum Ausdruck gebracht wird, dass der Testnutzer dem Sprint-Team und Interviewer einen Gefallen tut, nicht andersherum. Fördern Sie direktes Feedback, betonen Sie nochmals, dass es um die Idee geht, nicht um Personen (z.B. indem Sie sagen, dass Sie nicht persönlich den Prototyp entwickelt haben). Stellen Sie klar, dass es keine richtigen oder falschen Antworten gibt. Weisen Sie den Testnutzer darauf hin, dass er/sie seine/ihre Gedanken während des Ausprobierens artikulieren soll (Think-Aloud).

4. Detaillierte Aufgaben für den Testnutzer, die er/sie mit Hilfe des Prototyps/der Prototypen durchführen soll

Der Testnutzer soll sich möglichst tief und realistisch auf den Prototyp einlassen. Dies kann gefördert werden, indem ihm/ihr detaillierte Aufgaben zugewiesen werden, die mit dem Prototyp zu erledigen sind. Während der Testnutzer unter Nutzung des Prototyps die Aufgabe(n) bearbeitet, sollte der Interviewer leicht beantwortbare, offene Fragen stellen, um den Testnutzer zum Äußern seiner Emotionen und Gedanken zu bewegen (z.B. Was denken Sie über dieses Element? Wofür könnte das hier gut sein?).

5. Eine kurze Nachbesprechung, um die allgemeinen Gedanken und Eindrücke des Testnutzers zu erfassen

Zum Abschluss des Interviews sollte der Interviewer einige Fragen allgemeinerer Natur stellen, um die wichtigsten Gedanken, Emotionen, Erfolge und Misserfolge des Testnutzers zu ermitteln. Dabei geht es im Vergleich zur vorherigen Phase eher um den Gesamteindruck des Kunden.

6. Fragen Sie: “Welche Frage habe ich nicht gestellt, die ich aber hätte stellen sollen?”

Diese Frage ist sehr wirkungsvoll, da Sie damit dem Nutzer ermöglichen, Gedanken zu äußeren und Dinge anzusprechen, an die Sie nicht gedacht haben.

7. Bedanken Sie sich für die Teilnahme und das wertvolle Feedback

Das gesamte Sprint-Team sollte das Interview und die Prototypverwendung der Testnutzer beobachten. Um Testnutzer jedoch nicht zu sehr unter Druck zu setzen bzw. abzulenken, sollte nur ein einzelnes Sprint-Team-Mitglieder die Rolle des Interviewers übernehmen. Damit die übrigen Sprint-Team-Mitglieder dennoch die Reaktion der Testnutzer nachempfinden können, bietet sich eine Videoaufzeichnung des Interviewraumes an. Idealerweise wird das Interview sogar live in einen zweiten Raum übertragen, in dem das Sprint-Team das Interview mitverfolgt.

Reflexion: Was lernen Sie aus den Design-Sprint-Interviews?

Während eines Interviews sollte das Sprint-Team lediglich leise beobachten. Erst im Anschluss an ein Interview tritt das Sprint-Team zusammen, um die Nutzerreaktionen zu besprechen. Dabei bietet sich eine Feedback-Matrix an einem Whiteboard an. Für jeden Testnutzer wird eine Spalte erstellt. Für jeden Prototyp bzw. Prototypschritt (je nach Fragestellung) wird jeweils eine Zeile hinzugefügt. Dann werden positive, negative und neutrale Beobachtungen auf Haftnotizen festgehalten und in der jeweiligen Zelle der Feedbackmatrix positioniert. Danach sollte eine Pause eingelegt werden, ehe das nächste Interview beginnt.

Nach den Interviews am Nachmittag ist die Feedbackmatrix für jeden Testnutzer befüllt. Dann sucht jedes Sprint-Teammitglied zunächst in stiller Einzelarbeit nach Mustern in den Beobachtungen und notiert diese auf Haftnotizen. Fokussieren Sie sich auf Muster, die bei mindestens drei Testnutzern auftreten. Nach fünf Minuten diskutierne die Teammitglieder die identifizierten Muster untereinander. Die Muster sollten auf einem zweiten Whiteboard separat gesammelt und als positiv, neutral oder negativ markiert werden.

Nun geht es darum, die initialen Design-Sprint-Fragen von Montag hervorzuholen und mit den beobachteten Reaktionsmustern in Verbindung zu bringen. Womöglich wird nicht jede dieser Fragen nun beantwortet werden können, allerdings gelingt es dem Sprint-Team typischerweise an dieser Stelle, nächste Schritte zu bestimmen. In jedem Fall hat das Sprint-Team ein deutlich besseres Verständnis des Nutzers und Nutzungskontexts, das wiederum als hervorragendes Fundament für die Weiterentwicklung der Idee bzw. Lösung dient.

Zum Abschluss des Design-Sprints tritt das Sprint-Team mit dem Entscheider zusammen und diskutiert die Fragestellung, Lernergebnisse sowie nächste Schritte.

Zusammenfassung Design-Sprint Tag 5: Nutzerfeedback sammeln, reflektieren und lernen

Am letzten, spannenden Tag zeigen Sie Ihren Nutzern bzw. Kunden das Resultat ihrer intensiven, fokussierten und zuweilen vielleicht wohl auch anstrengenden Desing-Sprint-Woche. Sie haben einen oder mehrere Prototypen entwickelt und nehmen gebannt die Reaktion Ihrer Zielgruppe auf. Vermutlich werden Ihre Kunden bestimmte Dinge besonders mögen und andere weniger. Nehmen Sie positive Rückmeldungen und Emotionen als Signal, den betreffenden Aspekt weiter auszubauen. Kritischere Rückmeldungen sollten als Lernerfolg gesehen werden: Sie haben nun Gewissheit, dass der betreffende Aspekt noch nicht in die richtige Richung geht. Nehmen Sie dies nicht persönlich, verstehen Sie das als weiterhin offene, kreative Herausforderung!

Herzlichen Glückwunsch, innerhalb von nur einer Woche haben Sie mit Hilfe des Design-Sprint-Ansatzes eine ganzheitliche, nutzerzentrierte Lernerfahrung gemacht, die Ihnen den Weg aufzeichnet, wie Sie den Bedürfnisse Ihrer Nutzer bzw. Kunden besser gerecht werden.

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