Definitionen von Kreativität

Der Begriff “Kreativität” stammt vom lateinischen Wort “creare” ab (zu deutsch: “schaffen”, “gebären”, “erzeugen”). Es gibt zahlreiche Definitionen von Kreativität. Dazu kommen unterschiedliche Begriffsauffassungen in populärwissenschaftlichen Publikationen und nicht-wissenschaftlichen Ratgebern. Wissenschaftlich anerkannte und verbreitete Definitionen finden Sie im Folgenden.

Viele der Definitionen haben Gemeinsamkeiten. Häufig werden Adjektive wie “neu”, “originell” oder “ungewöhnlich” verwendet. Eine intuitive konsensfähige und oft verwendete Definition ist, dass kreative Ideen sowohl neu als auch nützlich sind.

Bei eingehender Betrachtung mit der Kreativitätsforschung stellt sich jedoch heraus, dass es keine allgemein gültige und anerkannte Definition gibt. Keine Definition von Kreativität gibt befriedigende Antworten auf Fragen wie:

  • Was ist ungewöhnlich? Was ist neu?
  • Für wen ist etwas neu?
  • Wer ist durch die Neuerung betroffen?

Kreativitätsdefinition nach Guilford

Guilford ist Vertreter einer personen-zentrierten Auffassung von Kreativität:

In its narrow sense, creativity refers to the abilities that are most characteristic of creative people. […] I have often defined an individual’s personality as his unique pattern of traits. A trait is any relatively enduring way in which persons differ from one another. […] Behavior traits come under the broad categories of aptitudes, interests, attitudes, and temperamental qualities. […] Creative personality is then a matter of those patterns of traits that are characteristics of creative persons. (Guilford, 1950)

Kreativitätsdefinition nach Runco

Runco fasst kreatives Denken auf…

[…] in terms of the cognitive processes that lead to an original (e.g., novel, unique, or highly unusual) and adaptive (e.g., fitting, useful, orapt) insight, idea, or solution. (Runco, 1994)

Runco geht davon aus, dass jeder Mensch kreatives Potenzial besitzt. Die Merkmale persönlicher Kreativität nach Runco sind (Runco, 2007):

  • interpretative Kapazität
    Interpretative Kapazität ist das einzigartige Verständnis eines schöpferischen Individuums von einer Erfahrung. Da die Erfahrung einzigartig ist, ist sie originell.
  • Diskretion
    Diskretion bedeutet das Bewusstsein darüber, wann es sinnvoll ist, eine unkonventionelle Interpretation zu formen und wann dies weniger sinnvoll ist.
  • Intentionalität
    Intentionalität ist die Motivation, Anstrengungen zu unternehmen um sich eine eigene Erklärung zu bilden.

Kreativitätsdefinition nach Sternberg & Lubart

Sternberg & Lubart definieren Kreativität als…

[…] the ability to produce work that is both novel (i.e., original, unexpected) and appropriate (i.e., useful, adaptive concerning task constraints) (Sternberg & Lubart, 1999)

Demnach beschreibt Kreativität die Fähigkeit, etwas zu erschaffen das zugleich neuartig und angemessen ist. Angemessenheit ist hierbei mit Nützlichkeit oder Sinnhaftigkeit bezüglich der Randbedingungen einer Aufgabe zu verstehen.

Kreativitätsdefinition nach Amabile

Amabile schlägt zwei komplementäre Definitionen von Kreativität vor (Amabile, 1983):

  1. eine operationale Definition für die empirische Forschung – produktzentriert
  2. eine konzeptuelle Definition für theoretische Formulierungen des kreativen Prozesses – komponentenbasiert

Die operationale Definition Amabiles lautet:

A product or response is creative to the extent that appropriate observers independently agree it is creative. Appropriate observers are those familiar with the domain in which the product was created or the response articulated. Thus, creativity can be regarded as the quality of products or responses judged to be creative by appropriate observers, and it can also be regarded as the process by which something so judged is produced. (Amabile, 1996)

Die konzeptuelle Definition Amabiles unterscheidet drei Komponenten:

  1. Domänen-relevante Fähigkeiten (Expertise und Talent)
    Gewisse Fähigkeiten sind erforderlich bevor eine Person kreativ tätig sein kann.
  2. Kreativitäts-relevante Fähigkeiten (Kognitiver Stil, Heuristik, Arbeitsethos)
    Strategien für das Durchlaufen des kreativen Prozesses
  3. Aufgabenmotivation (Haltung zur Aufgabe und Wahrnehmung individueller Anreize zur Annahme der Aufgabe)
    Aufgabenmotivation macht den Unterschied zwischen dem, was eine Person leisten kann und jenem, was diese Person leisten will.

Kreativitätsdefinition nach Csikszentmihalyi

Kreativität ist jede Handlung, Idee oder Sache, die eine bestehende Domäne verändert oder eine bestehende Domäne in eine neue verwandelt. Und ein kreativer Mensch ist eine Person, deren Denken oder Handeln eine Domäne verändert oder eine neue Domäne begründet. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass eine Domäne nur durch die explizite oder implizite Zustimmung des dafür verantwortlichen Feldes verändert werden kann. (Csikszentmihalyi, 1999)

Kreativitätsdefinition nach Steiner

Steiner definiert Kreativität wie folgt:

Kreativität ist die systemspezifische Fähigkeit eines Individuums oder eines kollaborativen Systems (etwa einer Gruppe, eines Netzwerks etc.) originäreLeistungen zu erbringen. Bezogen auf das betrachtete System zeigen sich die originären Leistungen als subjektiv wahrgenommene neuartige Problemlösungen,über das Problem hinausgehende oder von diesem unabhängige Ideen oder darüber hinaus gewonnene Erkenntnisse, etwa in Form von Wissen über den Prozess deskreativen Problemlösens selbst. Die originäre Leistung als Ergebnis des kreativen Problemlösungsprozesses muss dabei nicht physisch manifestiert sein, soll aber zumindestgedanklich nachvollziehbar, in sich konsistent und weise sein. Das Bekanntmachen der originären Leistung stellt dabei keine eigene Anforderung dar. (Steiner, 2011)

Quellen

Guilford, J.P. (1950): Creativity. In: American Psychologist 5, p. 444-454.

Runco, M.A. (1994): Creative and imaginative thinking. In V.S. Ramachandran (Ed.), Encyclopedia of human behavior, Vol. 2 (p. 11-16). San Diego/New York/Boston/London/Sydney/Tokyo/Toronto: Academic Press.

Runco, M.A. (2007): To understand is to create: An epistemological perspective on human nature and personal creativity. In R. Richards (Ed.), Everyday creativity and new views of human nature: Psychological, social, and spiritual perspectives (pp. 91-107). Washington, DC, U.S.: American Psychological Association.

Amabile, T.M. (1983): The social psychology of creativity: A componential conceptualization. Journal of Personality and Social Psychology, 45(2), p. 357-376

Amabile, T.M. (1996): Creativity in context. Update to the social psychology of creativity. Boulder, Colorado/Oxford: Westview Press.

Sternberg, R.J. & Lubart, T. I. (1999): The concept of creativity: Prospects and paradigms. In R.J. Sternberg (Ed.), Handbook of creativity (p. 3). Cambridge, UK: Cambridge University Press.

Csikszentmihalyi, M. (1999): Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. 4. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta.

Steiner, G. (2011): Das Planetenmodell der kollaborativen Kreativität. Systemisch-kreatives Problemlösen für komplexe Herausforderungen. 1. Auflage. Wiesbaden: Gabler.

11 Comments

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  1. Guten Tag

    Diese Internetseite war wirklich sehr hilfreich. Gerne würde ich sie in meiner Bachelorarbeit zitieren. Dazu brauche ich nebst der Jahreszahl auch den Namen des Verfassers. Können Sie mir weiterhelfen?

    Freundliche Grüsse

    Carmen Schmidi

    • Kreativitätstechniken.info

      Hallo Frau Schmidi,
      schön, dass die Informationen auf dieser Seite Ihnen weiterhelfen. Ich empfehle Ihnen jedoch, direkt die Originalautoren zu zitieren. Die entsprechenden Quellen finden Sie ja am Ende des Artikels. Viele Grüße!

    • Hallo Carmen 🙂

      Ich bin auch gerade an meiner Bachelorarbeit über die Neurokorrelate von Kreativität, über was genau hast du deine geschrieben?
      Wäre es evt. möglich mir die deine zukommen zu lassen :-)?
      Ich wäre dir superdankbar und könnte mich auch irgendwie revanchieren^^

      Viele Grüsse

      Fabian Mueller

  2. Super Zusammenstellung! Ich habe einen Artikel zum Thema “Kreativität im Coaching” geschrieben und die Infos hier haben mir unter anderem dazu weitergeholfen. Vielen Dank!

    Herzliche Grüße,

    Peter Reitz

  3. – Super Beitrag –
    Können Sie mir evtl sagen, aus welchem Buch Sie sie folgende Definition zur Kreativtät haben:
    Der Begriff “Kreativität” stammt vom lateinischen Wort “creare” ab (zu deutsch: “schaffen”, “gebären”, “erzeugen”).

    Evtl von: ???
    Sternberg, R.J. & Lubart, T. I. (1999): The concept of creativity: Prospects and paradigms. In R.J. Sternberg (Ed.), Handbook of creativity (p. 3). Cambridge, UK: Cambridge University Press.

  4. Ich kann dem nur Zustimmen, die Seite ist wirklich hilfreich!
    Allerdings haben sich ein paar Flüchtigkeitsfehler in Zitaten etc. eingeschlichen.

    z.B. Todd Lubart wird mit nur einem “b” geschrieben oder in der Literaturangabe von Runco (2007) fehlt ein Buchstabe: “Everyday creativity and new vies* of human nature” —>* “views”.

    Das soll auch keine Kretik sein, sondern einfach nur ein Hinweiß, für jene die Zitate für eine wissenschaftliche Arbeit nutzen.

  5. Echt n super Beitrag, Vielen Dank!!

  6. super seite besten dank !!!!!

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