Zusammenhang zwischen Kreativität und Intelligenz

Genies wie Thomas Alva Edison (Erfinder zahlreicher Innovationen in Elektrotechnik und Elektrizität), Leonardo da Vinci (unter anderem Künstler, Ingenieur und Philosoph) oder dem weltbekannten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart wird nicht nur außerordentliche Kreativität sondern auch hohe Intelligenz nachgesagt. Kreativität ist die Fähigkeit, neuartige und wertvolle Ideen zu produzieren. Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, Probleme zu lösen, aus Erfahrung zu lernen und sich durch Wissen an neue Situationen anzupassen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kreativität und Intelligenz? Bedarf es hoher Intelligenz um großartige, neue Ideen zu schaffen?

Korrelation von Kreativität und Intelligenz bis zu einem IQ von 120

Personen, die gut in Intelligenztests (z.B. HAWIE) abschneiden, erzielen im Allgemeinen auch gute Ergebnisse in Kreativitätstests (z.B. TTCT). Wissenschaftliche Studien legen jedoch die Vermutung nahe, dass dieser positive Zusammenhang lediglich bis zu einem Intelligenzquotienten (IQ) von etwa 120 vorhanden ist. Besonders kreative Künstler, Architekten, Wissenschaftler und Ingenieure sind in der Regel nicht intelligenter (im Sinne eines Intelligenztests) als ihre Kollegen.

Kognitive Filter als Hemmschwelle für Kreativität

Dr. Shelley Carson forscht an der Harvard University unter anderem zum Thema Kreativität. Ihre Studien und Erklärungsansätze legen nahe, dass hohe kreative Leistung mit der Reiz-Filterung des Gehirns zusammenhängen. Carson geht davon aus, dass bei Kreativen die latente Hemmung (kognitive Reiz-Filterung) weniger ausgeprägt ist als bei nicht-kreativen Menschen. Ihre Vermutung leitet sie aus Beobachtungen in ihren Studien. In diesen Studien waren Kreative leichter abzulenken als weniger kreative Probanden: Kreative sind demzufolge offener für Sinneseindrücke. Dadurch verarbeiten sie womöglich mehr Informationen und dies resultiert in originellen Ideen und Gedanken. Im Zusammenspiel mit einem hohen Intelligenzquotienten könnte nach Ansicht Carsons die schwache latentente Hemmung zu besonders hoher Kreativität führen. Ihre Begründung: latente Hemmung sorgt für eine Fülle an Informationen und ein hoher Intelligenzquotient sorgt für eine bessere Unterscheidung von relevanten und nicht-relevanten Informationen.

Kreativitätsfördernde Faktoren

Sternberg und Lubart identifizierten ausgehend von ihren Kreativitätsstudien fünf kreativitätsfördernde Faktoren bei kreativen Menschen:

  1. Expertenwissen
    Viele Informationen und viel Wissen erhöht auch die Möglichkeit von Assoziation, Kombination und Verbindung dieser “Informationshäppchen”.
  2. Fantasievolles Denken
    Fantasievolles Denken erleichtert das Verlassen eingefahrener Denkbahnen.
  3. Risikobereitschaft
    Eine erhöhte Risikofreude führt dazu, dass auch ungewöhnliche, anfangs nicht vielversprechende Gedanken verfolgt werden. Viele Erfinder scheitern häufige Male, bevor sie einen Durchbruch erreichen.
  4. Intrinsische Motivation
    Besonders kreative Leistungen entstehen in der Regel dann, wenn eine innere Motivation vorliegt. Äußere Anreize wie Geld oder Druck kann die kreative Leistung beeinträchtigen.
  5. Kreative Umgebung
    Kreative Menschen sind häufig von anderen kreativen Menschen umgeben. Kreative Leistungen sind häufig das Ergebnis gemeinsamer Arbeit und gegenseitiger Unterstützung.

Zusammenfassung

Der Zusammenhang zwischen Kreativität und Intelligenz ist noch nicht geklärt. Studien zeigen eine gewisse Korrelation bis zu einem IQ von etwa 120. Derzeitiger Konsens ist, dass Intelligenz wahrscheinlich nur ein Faktor von mehreren ist, welche Kreativität beeinflussen.

Literatur

MacKinnon, D.W. & Hall, W.B. (1972). Intelligence and creativity. In Proceedings XVIIth International Congress of Applied Psychology (Vol. 2). Brussels: Editest

Simonton, D.K. (2000). Creativity: Cognitive, personal, developmental, and social aspects. American Psychologist, 55, p. 151 – 158

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