Brainstorming zählt zu den prominentesten Kreativitätstechniken überhaupt. Das Ziel von Brainstorming ist, innerhalb von kurzer Zeit eine große Menge an Ideen zu generieren. Es eignet sich damit besonders als Startpunkt der kreativen Problemlösung.  Alex Faickney Osborn gilt als Erfinder des Brainstormings. Charles Hutchison Clark hat diese Kreativitätstechnik weiterentwickelt.

Brainstorming ist zwar bekannt, trotzdem wird es häufig ungünstig umgesetzt. Zwei Faktoren sind wichtig für erfolgreiches Brainstorming:

  1. Vorgehen in drei Phasen: Einleitung, Ideenfindung und Bewertung
  2. Einhaltung der vier Grundregeln für die Ideenfindungsphase

Anwendungsgebiete von Brainstorming

Brainstorming eignet sich besonders in folgenden Situationen:

  • Schnelles Erzeugen und Sammeln von Ideen (einzeln oder in der Gruppe) ist erforderlich
  • Viele grundverschiedene Lösungen und Ideen sind erwünscht
  • Informationen und Ideen sollen innerhalb der Gruppe schnell ausgetauscht und gesammelt werden

Brainstorming eignet sich in den folgenden Situationen eher nicht:

  • Das Problem ist komplex und sehr erklärungsbedürftig
  • Das Problem ist hochspezifisch, aber die Teilnehmer haben kein entsprechendes Spezialwissen
  • Die Gruppendynamik verhindert den kreativ-konstruktiven Ablauf (siehe unten)

Voraussetzungen für Brainstorming

Für eine Brainstorming-Sitzung benötigen Sie:

  • Moderator und/oder Protokollant
    Der Moderator ist für die Einhaltung der Spielregeln verantwortlich. Der Protokollant hält die erzeugten Ideen in geeigneter Weise fest (z.B. MindMap)
  • Gruppe von ca. 4-10 Teilnehmern
    Die Teilnehmer erzeugen die Ideen. Die beteiligte Gruppe sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein. Eine zu kleine Gruppe erzeugt weniger Ideen. Eine zu große Gruppe kann aufgrund der Gruppendynamik das Brainstorming stören. In großen Gruppen kommt es schneller zu Nebendialogen unter den Teilnehmern. Dadurch entstehen Unruhe und Ablenkung.
  • Tafel, Beamer, Flipchart oder ähnliches
    Die gesammelten Einfälle sollten für alle sichtbar festgehalten werden. So inspirieren die Teilnehmer sich gegenseitig.

Ablauf und Vorgehen beim Brainstorming

Der Moderator hat gerade bei Kreativitätstechniken eine wichtige und kritische Funktion. Er darf sich selbst nicht einmischen, muss aber gleichermaßen für eine offene Atmosphäre und Einhaltung der Regeln sorgen. Eine Brainstorming-Sitzung könnte folgendermaßen aussehen:

  1. Der Moderator beschreibt die Ausgangsfrage oder das Ausgangsproblem. Beispiel: “Heute suchen wir nach Möglichkeiten, wie wir unsere Kundenzufriedenheit verbessern können.”
  2. Anschließend erklärt der Moderator die Brainstorming-Regeln und das Vorgehen in zwei Phasen: zuerst Ideenfindung und erst anschließend Bewertung. Die Teilnehmer sollten sich nun für 5 Minuten jeweils eigene Gedanken machen und über Vorschläge nachdenken. Dies verhindert, dass in der eigentlichen Ideenfindungsphase die ersten Vorschläge dominieren und die Teilnehmer zu stark beeinflussen und eingrenzen.
  3. Ideenfindungsphase (ca. 20 Minuten): Die Teilnehmer dürfen nun spontan Vorschläge und Ideen äußern. Der Protokollant notiert die Meldungen so, dass sie für alle sichtbar sind. Hier geht es in erster Linie darum, viele Ideen zu sammeln.
    Beispiel: “Gutscheine”, “Fragebögen”, “Geschenke”, “Qualitätssicherung”, …
  4. Der Moderator sorgt für die Einhaltung der Regeln und hält sich selbst zurück.
  5. Nach einer festgelegten Zeit erfolgt ein klarer Schnitt durch eine Ansage und Pause. Nun werden keine Ideen mehr erzeugt. Es geht jetzt um die Beurteilung der gesammelten Vorschläge.
  6. Bewertungsphase (ca. 30 Minuten): Die Teilnehmer beginnen erst jetzt mit der Bewertung ihrer Vorschläge. Erst jetzt geht es darum, die Qualität der Vorschläge zu beurteilen. Wichtig ist dabei, dass die Teilnehmer sachlich bleiben und über den Vorschlag diskutieren – nicht über den Vorschlagenden. Eine Möglichkeit, Vorschläge zu bewerten ist Punktevergabe. Dabei darf jeder Teilnehmer eine feste Anzahl von Punkten frei auf alle gesammelten Vorschläge verteilen.
    Beispiel: “Fragebögen sind günstig und kurzfristig umsetzbar!”
  7. Ergebnis: Viele Ideen und Beurteilung dieser Ideen. Im besten Fall liegt nun schon eine Lösung für die Ausgangsfrage vor. Vielleicht müssen einige Vorschläge aber noch ausgearbeitet werden.

Die vier Grundregeln der Ideenfindungsphase im Brainstorming

Die folgenden vier Grundregeln gelten für die erste bzw. Ideenfindungs-Phase. Das Ziel dieser Regeln ist es, eine offene, vertrauensvolle und konstruktive Atmosphäre zu schaffen.

Die Grundregeln lauten im Einzelnen:

  1. Keine Kritik! In der Ideenfindungsphase werden Vorschläge nicht bewertet. Im Vordergrund steht das Sammeln von Ideen. In der Ideenfindungsphase geht es darum, Ideen ohne Blockaden und gedankliche Grenzen zu produzieren.
  2. “Verrückte” Ideen sind erwünscht! Ideen zu entwickeln ist schwieriger, als sie zu verwerfen. Unkonventionelle Ideen können darüberhinaus als Inspiration dienen.
  3. Quantität sticht Qualität! Die Teilnehmer sollen sich vollends der Ideenproduktion widmen. Die Bewertung der Vorschläge zu diesem Zeitpunkt verschwendet kognitive Ressourcen.
  4. Lassen Sie sich inspirieren! Fremde und ungewöhnliche Vorschläge erzeugen in Ihnen Assoziationen und weitere Einfälle. Kombinieren, erweitern und verändern Sie Vorschläge zu neuen Ansätzen.

Zusammenfassung

Mit Brainstorming können in kurzer Zeit viele Ideen erzeugt werden. Eine Brainstorming-Sitzung besteht aus drei klar abgetrennten Phasen. Die erste Phase dient der Einleitung: Die Teilnehmer sollen sich mit der Fragestellung und dem Brainstorming-Vorgehen vertraut machen. In der zweiten Phase geht es darum, möglichst viele Ideen unabhängig von deren Qualität zu erzeugen. Hier ist die Einhaltung der vier Grundregeln sehr wichtig. Nach einem klaren Schnitt folgt die dritte Phase. Erst hier erfolgt eine sachliche Diskussion und Beurteilung der gesammelten Vorschläge.

1 Kommentar zu “Brainstorming

  1. Schmidt Rainer

    Eine sehr gut aufgebaute Erklärung:
    So etwas wird in einem 10 minütigen Referat (30 Minuten Vorbereitungszeit) – Thema vor der Prüfung noch nicht bekannt. bei dem Situationsbezogenen Fachgespräch mit Präsentation verlangt.
    Aufgabenstellung dazu
    In einer Besprchung mit Ihren Mitarbeitern wollen Sie mithilfe eines Brainstormings Ideen zu einem betriebsrelevanten Thema entwicklen, beispielweise “Unfallverhütung”, “Qualitätsmanagement”
    Jeder hat die Mittel um sich entsprechend vorzubereiten

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